Überblick zum Thema Hypnose und Hypnotherapie

Hypnose ist die therapeutische Nutzung von Trance. Trance ist ein natürlicher und alltäglicher Geisteszustand. Er ist charakterisiert durch ein Erleben von Gedanken, Gefühlen und Bildern, ohne dass die sich in Trance befindende Person bewusst daran aktiv beteiligt ist. Es gibt viele verschiedene Trancen. Die Unterschiede entstehen in Abhängigkeit vom Kontext, in dem die Trance erlebt wird. Es gibt darum(streichen) mehr oder weniger kreative Trancen bei Auto- und Zugfahren, oder anlässlich eines Konzert- oder Kinobesuchs, wo einem gute Ideen und unerwartete Assoziationen zukommen, es gibt berührende Trancen beim Erleben von Musik, einer schönen Landschaft, beim Tanzen, Singen und beim Sex. Miese bis gar schreckliche Trancen mit zum Teil ebenfalls langdauerndem Effekt können im hilflosen Kontext einer Angstsituation z.B. im Rahmen von Unfällen eintreten. Träume haben Trancequalitäten nur, dass wir sie – ausser beim luziden Träumen – nicht unmittelbar beeinflussen können.

In Trance können Problemen und Symptomen auf einer anderen Bewusstseinsebene erlebt werden: nicht rational, analytisch und willensabhängig, sondern sinnesbezogen, phantasievoll und intuitiv. Die Tiefe der Trance ist dabei nicht wesentlich. In Trance öffnen sich die „Filter" zwischen unserem bewussten und unbewusstem Geist und diese Zwei können wechselseitig von einander lernen. Das der Hypnose zugrunde liegende Utilisationsprinzip bedeutet, dass das Problem „nur" die unvorteilhafte oberflächliche Konfiguration einer darunter verborgenen sinnvollen Energie darstellt. In dem wir geeignete Rahmenbedingungen schaffen, entsteht die Möglichkeit, dass sich aus dem „Problem" die „Lösung" entfaltet, wie aus einer Raupe ein Schmetterling.

Unter Hypnotherapie wird eine eigenständige Therapieform verstanden, deren Hauptdynamik die Nutzbarmachung in unserem Unbewussten schlummernden Ressourcen und Selbstheilungskräften ist. Hypnose wird – je nach therapeutischem Hintergrund des Therapeuten – oft mit anderen Psychotherapieverfahren, wie kognitive Verhaltenstherapie oder tiefen psychologische Verfahren kombiniert. Therapeutische Trance, respektive Hypnose oder Hypnotherapie ist ein Lösungsorientierter Therapieansatz. Die Vergangenheit – das „woher und warum" – wird nur situativ beleuchtet, denn Wandlung kann nur in der Gegenwart geschehen. Hypnose ist darum keine „Psychoarcheologie".

Der bewusste Wille des Patienten wird in keiner Weise ausgeschaltet, sondern tritt gegenüber Gelassenheit und Neugier freiwillig in den Hintergrund, um aber jederzeit vom Klienten aktiviert werden zu können. Jede Hypnose ist darum eigentlich immer eine Selbsthypnose, auch dann, wenn ich mich von meinem Therapeuten leiten lasse. Alles andere zu behaupten wäre der Missbrauch eines Missverständnisses. Wirksam kann das Behaupten einer Abhängigkeit trotzdem sein, wenn eine Person – bewusst oder unbewusst – ein „Unterwerfungsprogramm" hat. Dies bedeutet, dass autoritäre Befehle von aussen nicht als Eigensuggestionen erkannt werden können. In dieser Situation wird der „hypnotisierte Geist" zum Sklaven seines eigenen Sklaventreiberprogramms, das vom „Magier“ benutzt würde. Der Missbrauch wäre, dass der Therapeut, die Therapeutin, die Eigenkompetenz der Patientin in der Trance nicht explizit machen würde.

Die Bedeutung einer Botschaft wird immer vom „Empfänger, der Empfängerin" bestimmt und nicht vom „Sender". Wir haben zudem eine Art „psychisches Immunsystem", das uns in Abhängigkeit von unseren Moralvorstellungen gegen Fremdbeeinflussung schützt. Das Ziel jeder Psychotherapie ist Freiheit und innerer Frieden. Dadurch wird Beziehung zu sich selber und unseren Mitmenschen lebendig und liebevoll. Die Tiefe einer Trance sagt nichts aus über die Wirksamkeit der Therapiesitzung.

Barbara Frick Luzern - Feldenkrais/Somatic Experiencing