Das "Unbewusste"

Wenn Trance zu therapeutischen Zwecken genutzt wird, geht es um zwei wesentliche Aspekte. Erstens geht es darum, Zugang zu unserem Unbewussten zu erhalten. Das Unbewusste ist ein Begriff, mit dem die Aspekte unseres Geistes gemeint sind, die unsere Person zwar ausmachen, die uns aber im Alltag nicht bewusst respektive willentlich zugänglich sind. In Trance öffnen sich die „Filter" zwischen unseren bewussten und unbewussten Elementen unseres Geistes und dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit Inhalten des Unbewussten in Kontakt kommen können. Wie in einem nächtlichen Traum können wir aber nicht einfach ins Unbewusste hinein, aber wir können Bedingungen schaffen, dass unbewusste Inhalte zu „uns" ins Bewusstsein kommen. Die Konfiguration der „Filter" gibt eine Tendenz vor, was in Trance geschieht und diese Konfiguration ist abhängig von individuellen Faktoren und vom Kontext. Zweitens ist in Trance das Denken, nicht zu verwechseln mit dem Bewusstsein, hintergründig. Dadurch sind Konzepte, Meinungen und Glaubensvorstellungen, also Elemente der Vergangenheit, weniger wirksam. Ganz speziell heilsam ist dies bei selbstentwertendem Denken, bei Grübeln und Zweifeln und Pessimismus, typisch z.B. für eine depressive Lebensphase. Gerade durch die Frische des gegenwärtigen Moments können lebensbejahende Impulse und Aspekte aus dem eigenen Unbewussten „hochsteigen", oder von der Therapieprozess begleitenden Person eingebracht, poetischer gesagt gesät" oder zur „Blüte“ gebracht werden. Im Unbewussten verorten wir je nach psychologischer Disziplin Selbstheilungskräfte, sämtliche je erworbenen Fähigkeiten (Milton Erickson), die Quelle allen psychischen Übels, wie unterdrückte Triebe und Aggressionen (Sigmund Freud), oder kollektive - also über das Individuum hinausgehenden - Energien (CG. Jung). Wir nennen in der Hypnotherapie das Unbewusste auch die „dritten Intelligenz", zusätzlich zur Intelligenz des Geistes der Patientin und dem Geist der Therapeutin. Im Unbewussten schlummert wohl verwahrt auch unsere ganze Vergangenheit, oft weitgehend ins Unbewusste gesunken. Trance ist aber kein Lügendetektor. Die Bilder und Assoziationen, die aus unserem Unbewussten in Bezug auf unsere Vergangenheit auftauchen, sind nicht selten die bestmögliche therapeutisch nutzbare Metapher, die unser Unbewusstes uns für ein Thema schickt, nicht aber die absolute Wahrheit. Therapeutische Trance ist eine sinnliche Therapie. Durch die Verbindung von Körper und Geist haben wir Zugang zu unserer Intuition, zu unserem „Bauchgefühl", eine andere Metapher für unser Unbewusstes. Es gibt vier Wege, auf denen das Unbewusste sich uns öffnet: Freud wählte für sich den Traum als „Königsweg", zweitens Trance (via das Wort, Musik oder Tanz und gewisse Drogen, dann aber mit unkontrollierbarer Wirkung), drittens Sex und viertens das Ausüben von Kunst.

Barbara Frick Luzern - Feldenkrais/Somatic Experiencing